Autogasland Schweiz: Die letzte Erdgasbastion droht zu fallen
Ausgabe AutoGas Journal Oktober / November 2009
In ganz Europa ist Autogas der Alternativkraftstoff Nummer 1. In ganz Europa? Nein, eine kleine Bastion, in der Erdgas noch beharrlich den Ton unter den Alternativkraftstoffen angibt, konnte sich bis jetzt gegen die wachsende Verbreitung von Autogas wehren. Doch während sich die Gallier aus dem Comic ,,Asterix und Obelix” dank ihres Zaubertranks standhaft der Belagerung der Römer widersetzten konnten, kann die Erdgasindustrie selbst in der Schweiz den europaweiten Siegeszug von LPG nicht mehr aufhalten. Bisher gibt es es bei den Eidgenossen zwar 117 Erdgastankstellen im Vergleich zu 32 LPG-Tankstellen (Stand September 2009), doch dieses Verhältnis dürfte sich bald ändern, denn einige Flüssiggasversorger haben es sich auf die Fahnen geschrieben, dem Kraftstoff LPG auch in der Schweiz zum Durchbruch zu verhelfen.
Und wenn sich ein paar Eidgenossen etwas in den Kopf gesetzt haben, wird es gründlich umgesetzt. Deshalb planen zwei Firmen zu Lande und zu Wasser gleichzeitig zu etablieren. Von sich Reden macht derzeit Vitogaz Switzerland AG, die in diesem Jahr (2009) schon einmal vorsorglich ihren Firmensitz nach Cornaux verlegt hat, wo gut 60 Mitarbeiter an der Umsetzung der Konzepte im Segment Flüssiggas und Autogas arbeiten. Mit im Bunde ist LPG-Suisse, die für den Import der Hardware, sprich der Gasanlagen, sorgen soll. Ausserdem gibt es im Autogas-Schwellenland Schweiz noch einige Umrüster und Flüssiggasversorger, die auf Zug mit aufspringen. Der dürfte sich wohl schon in Kürze von einer Bimmelbahn zum Intercity entwickeln, denn Vitogaz will ein flächendeckendes Netzwerk von Gastankstellen innerhalb kürzester Zeit installieren. In Zahlen ausgedrückt: 45 Stück nächsten halben Jahr, ausserdem sollen alle Schweizer Seen mit LPG-Stationen ausgerüstet werden, um Skippern die Möglichkeit zu geben ihren Hobby nachzugehen.
Firmen setzen auf Umweltschutz
Dabei fällt das Thema auf fruchtbaren Boden. Das Umweltbewusstsein ist in der Scweiz wesentlich ausgeprägter als in anderen europäischen Ländern und selbst Firmen versuchen sich damit profilieren, dass nicht nur der Fuhrpark, sondern der ganze Betrieb mit einer positiven Ökobilanz aufwarten kann. Da kommt den findigen eidgenössischen Rechnern der Kraftstoff LPG gerade Recht, denn im Gegensatz zum noch vorherschenden Erdgas sind Umrüstungen und Kraftstoff wesentlich günstiger. Und wenn es um Geld geht, hört bei unseren Schweizer Nachbarn der Spass bekanntlich auf. Wegen des geringen Schadstoffausstosses wird seit dem 1. Juli 2008 auf Autogas ein reduzierter Mineralölsteuersatz erhoben. Dadurch kann dieser Kraftstoff im Vergleich zu Benzin zu einem niiedrigen Preis angeboten werden. Während Superbenzin und Diesel in der Schweiz aber derzeit (Stand September 2009) gut 1,10 Euro kosten, wird LPG zu Preisen zwischen 60 und 70 Cent angeboten. Experten rechnen aber mit sinkenden LPG-Preisen einerseits und mit steigenden Bezinpreisen anderseits. Durch eine Erhöhung der Mineralölsteuer auf Benzin und Diesel sieht man deren Preis bei 1,25 bis bis 1,30 Euro. Dann könnte der Schweiz ein ähnlicher Autogas-Boom bevorstehen wie in Deutschland im Sommer 2008, als der Benzinpreis die magische Grenze von 1,50 Euro knackte. Der Grznd dafür ist diie Tatsache, dass die CO2-Emissionen aus Benzin und Diesel 2008 um 14 % höher liegen als 1990. Das für den Verkehr im CO2-Gesetz festgelegte Teilziel von minus 8 % gegenüber 1990 wurde deutlich verfehlt. Die neusten Zahlen der CO2-Statistik bestätigen, dass die Anstrengungen im Treibstoffbereich bei den Eidgenossen deutlich verstärkt werden müssen, um eine dauerhafte Tendwende herbezuführen. Bereits ab 1. Januar 2012 sollen daher für neue Personenwagen wesentlich strengere CO2-Emmissionsvorschriften gelten, die mit herkömmlichen Treibstoffen kaum zu erreichen sind. Eine entsprechende Gestzesvorlage ist zurzeit in Bearbeitung.
Zahl der Umrüstbetriebe wächst stark an
Schon jetzt hat man aber aus den Erfahrungen der Nachbarländer erste Schlüsse gezogen. Parallel zur Zahl der Tankstellen steigt auch die Zahl der Umrüstbetriebe, das Henne-Ei-Prinzip, also ohne Tankstellen keine umgerüsteten PKW, bzw. keine Tankstelle, wenn es auch keine LPG-betriebene PKW gibt, dürfte erfolgreich durchbrochen sein.
Einige Importeure, die bereits LGP-Fahrzeuge ab Werk liefern, haben den Schweizer Markt für sich als nächsten Wachstumsmarkt in Sachen LPG ausgemacht. Insider gehen davon aus, das in absehbarer Zeit die koplette Palette autogasbetriebener Fahrzeuge auch in den Showrooms der Schweizer Händler zu sehen ist. Selbst der Umrüstmarkt hat sich auf die veränderte Situation eingestellt, Importeure von Gasanlagen stehen quasi ,,Gewehr bei Fuss”.
Vitogaz in der Schweiz führend
Der Startschuss zur LPG-Offensive in der Schweiz ist jedoch schon gefallen. Vitogaz eröffnete vor nicht zu langer Zeit die erste Autogaszapfsäule in Safenwil (die leider nicht mehr im Betrieb ist), und im Hafen Franzrüti baute die LPG Suisse GmbH die 1. Schweizer See-LPG-Tankstelle, die am 29. August 2009 feierlich eröffnet wurde. Weitere Tankstellen sollen folgen. Bei den Hallen der BootCenter Zürichsee GmbH wird im September 2009 eine PKW-LPG-Tankstelle erstellt und im Oktober wird im Tessin, Caslagno, eine weitere See-LPG-Tankstelle gebaut. Bis zum Jahresende dürfte sich das Verhältnis zur Erdgas-Konkurrenz schon entschieden verbessert haben. Derzeit müssen sich gut 2.000 Schweizer LPG-Fahrer die 32 Tankstellen landesweit teilen. Bei einer Zahl von sechs bis acht Millionen Fahrzeugen, die auf den Strassen dort unterwegs sind, ein noch sehr geringer Anteil, aber auch ein Indiz für das enorme Potenzial, das sich in dem Markt verbirgt. Vor allem dann, wenn die Mineralölsteuer erheblich angezogen wird, um den Ausbau und die Verbesserung des Schweizer Strassennetzes voranzutreiben. Doch diese Zahlen müssen niemand abschrecken die Schweiz zu besuchen. Wer auf sein Navi oder sein iPhone vertraut, findet auch in den Schweizer Bergen zügig jede Tankstelle, nur ist die Infrastruktur noch nicht so ausgebaut wie in Deutschland, Italien, den Niederlanden oder Polen.
Dies ist nur ein Teil von der Reportage vom Autogas Journal Ausgabe Oktober / November 2009 auf den Seiten 28 bis 31
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