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Audi E-Tron

Das Kraft Paket

Audi scheint mit dem E-Tron nach anfänglichen Software-Problemen nun doch noch dem Platzhirschen Tesla mit seinen Modellen X und S gehörig Paroli zu bieten. So verraten es zumindest die neusten Verkaufszahlen der beiden Hersteller. Wir wollten es genau Wissen und testeten das Elektromobile. Aushängeschild der Ingolstädter über 1.500 Kilometer. Wissen wollten wir: Hat der E-Tron das Zeug zum Eisbrecher für ein Elektro-SUV-Affines Publikum?

Die erstmals 2015 vorgestellte Teststudie hat sich binnen 3 Jahren zum ausgereiften E-Mobil mit alltagstauglicher Reichweite und reichlich Convenience im Cockpit entwickelt. so steht es in den Medien. Ob des vielen Lobes wolten wir selbst einmal kritisch hinterfragen, ob sich Komfort, Ausstattung und Handling tsatsächlich so gut anfühlen, wie es von vielen kolportiert wird.

Rein optisch ist der e-tron sofort als Audi erkennbar, fast schon zu verwechseln mit dem A6 allroad, dem Q5 oder Q7 – aber nur, wenn man den Blick leicht, fast lasziv schweifen lässt auf einem reichlich gefüllten Parkplatz mit vielen anderen Marken.

Erst ganz nah, im Augenschein des wohlwollend gestimmten Testers, erscheinen die besonderen Elemente, die der Schreiber dieser Zeilen bei genauem Hinsehen erst als besondere, elektro-markante Merkmale ausfindig macht. Vor meinem Einsteigen würdige ich mein neues Testgefühl eines kritischen Blicks. Die Designer haben tolle Arbeit geleistet. Dezente Schriftzüge am Fahrzeug, dort, wo geladen wird, zeigen klar, dass es sich um ein E-Mobil handelt. Auch beim Einstieg ins Innere ist man positiv überrascht. Geräumiger Innenraum, hochwertiges Leder und farblich abgestimmte Ziernähte auf den Sportsitzen und im Innenraum zeigen: Am Auditypischen Komfort für den Fahrer, der lange Strecken bewältigen möchte, mangelt es keineswegs. Unser e-tron wirkt mit seinen 4,90 Metern schon vor der Fahrt wie ein grosses komfortables Auto.

Überhaupt: Platz. Es ist das grosse Stichwort des e-tron 55 Quattro: Mit 660 Litern hat der e-tron einen ausreichend grossen Kofferaum, in dem Taschen und Koffer für zwei Erwachsene und zwei Kinder viel Platz für die grosse Urlaubsfahrt haben. Die Beinfreiheit hinten ist üppig und mit der Vierzonen-Klimaautomatik (Aufpreis) ist der Wagen auch für alle Insassen perfekt zu klimatisieren. Vorne auf dem Fahrersitz darf man sich ebenso äusserst wohl fühlen. Dort ist der volldigitale Instrumententräger weitgehend frei von Tasten, Knöpfen und Schaltern. Im Zentrum prangt noch etwas gewöhnungsbedürftig ein grosser Touch-Display in Black-Panel-Manier.

Optik und Features sind erstklassig

Sobald die Tür des Autos geöffnet wird, erwacht sofort die Benutzeroberfläche zu wahren Leben. Während auf dem grossen Bildschirm das Infotainment-System per Fingerdruck gesteuert wird, erfolgt der Zugriff auf Klimaautomatik und andere Komfortfunktionen über ein zweites Display auf der Konsole des Mitteltunnels. Über diese zwei Screens und das Head-up-Display lässt sich alles bedienen und man erhält alle wichtigen Infos während und vor der Fahrt.

Der Vortrieb ist super. Mit dem adaptiven Luftfahrwerk aus der Serie rollt der Elektro-Audi auf 20-Zoll-Rädern lautlos dahin. Im ersten Moment vermisst man den Schaltknauf – aber nur im ersten Moment, denn den braucht man ja nicht mehr.

Mit seinem Drehmoment von 664 Newtonmeter ist der e-tron 55 Quatro immer gut im Saft. Den Spurt von 0 auf 100 km/h vollzieht er in knapp 6 Sekunden und bei 200 km/h ist dann auch die Höchstgeschwindigkeit erreicht. Längere Zeit über 160 km/h zu fahren lohnt aber nicht wirklich, weil dann der Verbrauch des kostbaren Stroms merklich ansteigt und die Reichweite des Fahrzeugs wie Butter in der Sonne dahinschmilzt. Die Bang & Olufsen Soundanlage hinterlässt schnell den Eindruck, dass der Soundteppich, bestes auf die akustischen Bedürfnisse eines jeden Fahrers, egal ob er Rock, Pop oder Klassik hört, ausgerichtet ist. Wie wohltuend! Auch der digitale Radioempfang funktioniert bestens.

Tolle Funktionen für anspruchsvolle Fahrer

Auch sonst zeigen sich viele Extras – zu viele am Anfang. Was wo ist, das muss man später erstmal nachlesen. Head-up-Dieplay im virtuellen Cockpit, ok, sieht gut aus. LED-Scheinwerfer oder Smartphone-Interface mit Apple-Play und induktivem Laden an der Mittelkonsole, auch das schafft man noch auf die Schnelle. Einfach das iPhone koppeln und los geht’s. Habe anscheinend vieles hier, was einem das Autofahren erleichtert. Es ist unter anderem gebündelt im Assistenzpaket ,,Stadt“, das speziell für den urbanen Verkehr entwickelt wurde und unter anderem mit Spurwechselwarnung, Ausstiegwarnung oder dem Querverkehrsassistent, der beim Rückwärtsfahren vor dem nahen Querverkehr warnt, bestückt ist. Das liesst man in den Unterlagen. Bin beindruckt, auch wenn man so viel Hilfe aktuell nicht braucht.

Leider fast keine 150-KW-Lader

Mit unserer ersten Ladung erzielten wir mit den 265 kW und dem fetten 95-kWh-Akku rund 411 Kilometer. Allerdings erzoielt man so eine tolles Reichweitenergebnis nur, wenn man den Motor sehr schonend einsetzt und keine längeren Fahrten mit Geschwindigkeiten oberhalb der 100 km/h durchführt, was wir zunächst gemacht haben. Kleiner Wehmutstropfen: Die 150 kWh, die der Audi aus Ladesäulen theoretisch ,,aufsaugen“ kann werden nur von ganz wenigen Ladern in Deutschland zur Verfügung gestellt. Das Ledenetz sollte hier – liebe IO-NITY! – also dringend zügig ausgebaut werden.

Und die wenigen Schnellader muss man erstmals per App oder Karte finden. Leider bieten die meisten Ladesäulen an den Autobahnen maximal 50 kWh an, mit denen die Ladezeit sich auf mindestens 1,5 Stunden ausdehnt, um auf 100 % Batterieleistung aufzufüllen. Allerdings kann man sich getrost die letzten 20 % an Kapazität sparen, die Ladezeit verkürzt sich durch diesen Verzicht beträchtlich auf rund 30 Minuten.

Wo stehen Sie nun, diese genialen, schnellen Säulen? Eine dieser Wundergeräte befand sich in Eichenzell bei Fulda (lonity-Säule), eine andere in Hildesheim. Gefunden habe sie im Internet auf einschlägigen Seiten. Die musste man dort suchen, denn das Navi-System im Audi hat sich nicht immer als informiert gezeigt. Nicht alle Schnellader in Deutschland wurden angezeigt. Hilfreich waren hier eher Websiten wie GoingElctric.de oder die App eCharge. Die von Audi zur Verfügung gestellte Webseite ,,tron charging service “ weist anscheinend noch Lücken auf. Leider haben sich die Ladesäulen im Test als nicht immer funktionstüchtig erwiesen. In Hamburg angekommen, stellte man erstmals fest, dass es dort überhaupt keine 150-kWh-Säulen gab, sondern nur 22- oder 50-kWh-Säulen. Schade das sich Hamburg als Vorreiter bei der Elektromobilität nicht mehr als 1.000 Ladepunkten der Öffentlichkeit präsentiert: Einen Tag nach Ankunft besuchte mit Enkelin den Tierpark Hagenbeck. War guter Dinge und parkte an der dortigen Ladesäule. Leider war der Ladevrsuch nicht von Erfolg gekrönt, die 22-kWh-Säule funktionierte nicht. Also nahm das Telefon raus und wählte die Hotline freitags morgens gegen 10 Uhr.

Vom örtlichen Energieversorger konnte allerdings niemanden erreichen. Gleiches musste am Abend an einer anderen Säule des gleichen Anbieters erleben: Säule funktionierte nicht – und keiner war zu erreichen. Das passte dann insgesamt leider gut in unser Erfahrungsbild, denn die Beschwerden von E-Autofahrern in unserer Redaktion über nicht funktionierenden Säulen häuften sich in den vergangenen Wochen. Aber niemand möchte frustriert kilometerweit nach Säulen vagabundieren, um eine funktionierende Säule zu finden, schon gar nicht in einer fremden Stadt.

Rekuperation? Ja, Bitte!

Der e-tron rekuperiert über die e-Motoren und speist, je nach Stufe, die Bremsmanöver in die Batterie ein. Der Fahrer kann den Grad der Rekuperation über die Lenkradwippen in drei Stufen selbst bestimmen. In der höchsten Stufe braucht man praktisch nicht mehr das Bremspedal zu benutzen. Wer sich viel im Stadtverkehr mit dem Fahrzeug bewegt oder bergab fährt, bekommt einige Reichweitenkilometer geschenkt. Mit ein wenig Glück nimmt die Menge der noch fahrbaren Kilometer über eine längere Distanz dann eher zu als ab. Apropos bremsen: Gerade hierbei merkt man, dass man ein Auto über 2,5 Tonnen bewegt. Der e-tron kann durchaus sportlich bewegt werden, aber beim Bremsen verlangt er nach kräftigen Fusseinsätzen aufs Bremspedal. Habe es auf den engen Strassen und Serpentinen in der schönen Eifel erfahren müssen.

Fazit

Reichweite und Stromverbrauch waren die zentralen Parameter, an der die Alltagstauglichkeit des e-tron festmachten. Mit dem Verbrauch des Stroms lagen wir je nach Fahrweise extrem underschiedlich. Habe den Test selbst auf der Langstrecke von Ingelheim nach Hamburg am heissesten Tag dieses Jahres bei 40 Grad Celsius hin und zurück geleistet. Unterm Strich lag der Durchschnittsverbrauch auf der Autobahn bei 24,6 kWh. Die Reichweite pendelte sich auf alltagstaugliche 350 Kilometer ein, weil im Durchschnitt nur 120 bis 130 km/h schnell unterwegs war.

Uunterm Strich ist Audi mit dem e-tron ein höchst respekttabler Wurf gelungen. Das Auto gibt dem Fahrer ein so entspanntes Fahrgefühl, dass man am liebsten nicht mehr aussteigen möchte.

Egal, ob über Land, auf der Autobahn oder im Stadtverkehr. Der e-tron ist immer der perfekte Begleiter. Mit seiner hohen Ladekapazität von 150 kWh verkürzt er die Wartezeit auf ein erträgliches Minimum. Allerdings ist er mit knapp 107.000 Euro sicher auch kein Schnäppchen mehr, aber auch nicht wesentlich teurer als ein Aud S6 mit guter Ausstattung.

Technische Daten von Audi e-tron Quatro

Antrieb/Leistung

Drehstrom-Asynchronmaschienen mit 408 PS/300 kW, Gesamtleistung und 660 Nm, Allradantrieb

Batterie

396 Volt Nominalspannung, 95 kWh Kapazität, AC-Laden mit 11, optimal 22 kW, DC-Laden mit bis zu 150 kW

Reichweite

400 km (nach WLTP)

Fahrleitungen

5,7 s auf 100 km/h, 200 km/h Spitze

Länge x Breite x Höhe

4.900 mm x 1.940 mm x 1.620 mm

Kofferraum

660-1725 l

Leergewicht

2.490 kg

Anhängelast

1.800 l

Preis

ab 79.900 Euro

Quelle: arrive

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