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Und jetzt auch Elektrisch

Skoda Enyaq I V Simply Clever

Neuer Name, neues Auto, neue Platform, Skoda bringt mit dem Enyaq IV zum Ende des Jahres sein erstes Elektro-Auto auf den Markt, das auf der Meb-Architektur von Volkswage bassiert. Die Wahl fiel auf ein SUV. Es soll mit grosser Reichweite, gutem Package und günstigem Preis locken. Wir konnten bereits einen Prototyp fahren.

Grau, kalt, windig und nass. Irland ist bekannt dafür, vier Jahreszeiten an einem Tag bieten zu können. Der heutige ist einer von jenen, an dem die Leute höchstens kurz mit dem Hund vor die Tür gehen. Blicke für neue Autos? Fehlanzeige. Vermutlich hätten Skoda Enwicklungsingenieure ihre drei Prototypen gar nicht aufwändig mit einer Tarnfolie bekleben müssen, die Elektro-SUVs hätte bei dem Wetter vermutlich ohnehin kein Mensch wahrgenommen.

Doch sicher ist sicher: Niemand in der Öffentlichkeit soll das neue Modell vor der Weltpremiere im Herbst zu Gesicht bekommen. Verraten allerdings wird bereits der Name: Enyaq iV. Damit hält Skoda an der Nomenklatur fest, dass alle SUVs mit ,,q“ enden müssen. Und das ,,E“ symbolisiert den Antrieb: Elektrisch.

Wie sehr grün-weiss-gezackte Tarnfolie den Enyaq entstellt, darüber waren selbst wir erstaunt. Denn Skoda zeigte uns am Abend nach den Testfahrten den Wagen auch ungetarnt, in voller Schönheit. Wow! Was die Designer da auf die Räder gestellt haben, kann sich mehr als sehen lassen. Die Poportionen stimmen, der Enyaq hat nicht die Wuchtigkeit gewöhnlicher SUV, er ist mehr ein Crossover. Seine Silhouette erinnert, vor allem an der hinteren Flanke, bisweilen an den Ford S-Max.

Wir wagen mal eine These: Das technische SUV hat das Zeug, die gesamte Branche aufzumischen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: grosse Reichweite, gutes Platzangebot, hoher Qualitätsstandard. Das Ganze in Kombination mit besagt attraktiven Desgin und günstigem Preis. Mit einer Länge von 4,64 Metern – 40 Millimeter kürzer als ein Octavia Combi – positioniert Skoda den Enyaq in der unteren Mittelklasse. ,,Wir haben uns bewusst für diese Grösse entschieden, deckt sie doch die Nachfrage bei Familien sowie bei Firmen- und Flottenkunden am besten ab“, sagt Skoda-Entwicklungschef Christian Strube. Zudem spielt den Tschechen die Zeit in die Karten. Das Segment ist derzeit nicht besetzt. Jaguar 1-Pace, Mercedes EQC und Audi e-tron passen preislich nicht. Modelle wie Hyundai Kona und Kia Niro fahren ein Segment tiefer. Einzig der Aiways U5 tummelt sich im Revier des Enyaq. Ob die Chinesen aber mit ihrem Elektro-SUV, wie versprochen, wirklich im Herbst die Tür nach Europa aufstossen, muss man erst einmal abwarten. Konkurrenz hat der Enyaq allerdings hausintern. VW schickt den ID.4 an den Start.

Im Herbst fällt die Tarnung

Doch wie wir Skoda kennen, positioniert man den Enyaq preislich unterhalb des Vokswagen. Genaue Zahlen werden noch nicht genannt, hinter vorgehaltener Hand heisst es jedoch: rund 35.000 Euro. Damit fährt der Enyaq auf dem Niveau so manch elektrischer Klein- und Kompaktwagen wie Honda e, Mini Cooper SE oder Nissan Leaf, bietet aber bei Package und Platz deutlich mehr. Der Kofferraum fast netto 585 Liter. Liegen die Lehnen flach, sollen bis zu 1.711 Liter hineinpassen. Das hat Grosskombi-Niveau.

Beim Antrieb staffelt Skoda, analog zu Verbrenungmotoren, die Leistung. Das Einstiegsmodell hat 109 kW. Es folgen 132 und 150 kW. Der Elektromotor sitzt hier jeweils auf der Hinterachse und treibt auch die Hinterräder an. Wer Allradantrieb möchte, kann für die Vorderachse entweder einen 42- oder einen 75-kW-Motor wählen, so dass Enyaq im Maximum über eine kombinierte Leistung von 225 kW verfügt. Wie angenehm und geschmeidig sich schon 150 Kilowatt anfühlen, konnten wir hinter dem Lenkrad der getarnten Prototypen erfahren. Selbst die Armaturentafel des Enyaq ist bis auf ein Mini-Fenster im Digital-Tachometer komplett mit schwarzer Folie abgedeckt.

Doch darunter zeichnet sich unmissverständlich ein 13 Zol grosses, freistehendes Touch-Display ab, die Kommunikationszentrale des Enyaq. Zwischen den Sitzen die üblichen Cupholder und ein kleiner Gangwählschalter, bei dem erstmals auf die Stellung P verzichtet wird. Der Wagen wird automatisch arretiert, sobald der Knopf für die Handbremse betaätigt, die Zündung ausgeschaltet oder die Tür geöffnet wird. Das verlangt etwas Eingewöhnung.

Reichweite bis 500 Kilometer

Im Interieur setzen Skodas Designer auf Wohnzimmer-Atmosphäre, mit gemütlichen Stoffen aus Wolle und rezyklierten PET-Flaschen oder ökogegerbten Leder. Entsprechend heissen die Ausstattungslinien beispielsweise Lounge oder Eco-Suite. Für Entspannung sollen nicht nur neu konstruierte Sitze, sondern auch ein grosses Head-up-Display (Aufpreis) sorgen. Es spiegelt alle wichtigen Informationen in die Windschutzscheiben und verfügt zusätzlich über Augmented Reality. Abbiegpfeile beispielsweise können virtuell auf die Strasse projiziert werden.

Das für viele Elektrokunden wichtige Thema Reichweite geht Skoda mit drei unterschiedlich grossen Batterien an. Energieinhalt: 55, 62 oder 82 kWh. ,,Damit schaffen wir Reichweiten von 350 bis über 500 Kilometer“, verspricht Entwicklungschef Strube, der unsere Fahrt auf dem Beifahrersitz begleitet. Und zieht dabei gleich noch ein weiteres Ass aus dem Ärmel: Optimal wird es für den Enyaq eine hocheffiziente und CO2-basierte Wärmepumpe geben, wie sie bislang in der Branche einmalig ist. Sie erhöht bei winterlicher Fahrt die Reichweite enorm. ,,Würde bei Kälte der Aktionsradius ohne die eingeschaltete Wärmepumpe von 500 auf vielleicht 350 Kilometer sinken“, so Strube, ,,wäre es mit eingeschalteter über 100 Kilometer mehr.“

Zum Thema Lademanagement geht Skoda in Stufen vor. Serienmässig steckt ein Onboard-Charger an Bord, der 7,2 kW verdaut. Gegen Aufpreis werden elf Kilowatt angeboten (dreiphasig). An der Gleichstromsäule (DC) verkraftet der Enyaq in der Version 50 (55-kWh-Baztterie) 50 kW, mit der 62 kW grossen Batterie (Modellversion 60) sind es 80 kW und wer das Topmodel 80 wählt, kann mit einer Power von 125 kW laden. Das lohnt sich besonders für jene, die häufiger lange Strecken fahren und die Quick-Charger entlang der Autobahnen nutzen.

Die Pouch-Zellen für die Batterie liefert LG Chem, zusammengesetzt werden die Module in Polen. Laut Skoda soll die Produktion mit Ökostrom erfolgen. Insgesamt wird der Akku je nach Kapazität zwischen 350 und 495 Kilogramm wiegen, was tschechische SUV in der höchsten Ausstattung zum Zweitonnen-Gefährt macht. Alledings: Man merkt während der Fahrt dem Auto sein Gewicht nicht an, im Gegenteil, die Handlichkeit verblüfft. Auch sonst überzeugt der Enyaq durch eine komfortable Abstimmung und ein sehr geringes Geräuschniveau. Ein angenehmer Cruiser-Gebaut werden soll Skoda Stromer am Stammsitz in Mlada Boleslav. Und dies möglichst CO2-neutral. ,,Wir wollen ein Elektroauto ohne CO2-Rucksack auf den Markt bringen“, sagt Skoda Chef Bernhard Maier, weiss aber auch, dass dies im vollen Produktionsprozess noch nicht möglich ist. Maier: ,,Wir regeln dies anfangs über CO2-Zertifikate.“

Quelle: arrive

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